19.05.2026
Ratgeber
Du möchtest Arbeiten in der Höhe verrichten und bist dir noch nicht sicher, welche Gerüstart die richtige ist? Egal, ob du beide Gerüstarten in deinem Besitz hast und dir unsicher bist, welches Gerüst du wann einsetzen solltest oder ob du dich grundsätzlich fragst, welche Gerüstart wann sinnvoller ist, wir beantworten dir deine Fragen sehr gerne. Wir vergleichen das klassische Fassadengerüst mit dem flexiblen Fahrgerüst, damit du die wesentlichen Unterschiede, Grenzen und Vor- und Nachteile kennst.
Im Detail betrachten wir die Punkte Arbeitsfläche, Tragfähigkeit, Sicherheit, Vorschriften und Montage.
Das Fassadengerüst bzw. Standgerüst ist im Gegensatz zu dem Fahrgerüst ein standfestes System. Einmal aufgebaut, bleibt es an dieser Position bis es wieder abgebaut wird. Um die Standfestigkeit sicherzustellen, wird das Fassadengerüst in den meisten Anwendungsfällen an der Fassade verankert.
Das Fahrgerüst bzw. Rollgerüst auf der anderen Seite ist eine freistehende Konstruktion auf Rollen. Selbst nach einem Aufbau kann die Position des Gerüsts verändert werden.
Fahrgerüste haben von Haus aus eine kleinere Gerüstlänge. Sie sind auf ein Feld beschränkt. Als Feldlänge gibt es hier 1,80 m und 2,85 m. In der Höhe können Fahrgerüste ebenfalls variabel eingesetzt werden. Die BG Bau hat hier für den Aufbau im Innenbereich eine maximale Belagshöhe von 12 m und für den Außenbereich von 8 m als Vorschrift definiert.
Während ein Fassadengerüst in der Theorie auch aus einem Feld bestehen kann, kann es ebenso durch die Kombination mit weiterem Gerüstmaterial beliebig erweitert werden. Die Feldlänge kann hier von 0,73 m bis zu 4,14 m betragen. In der Höhe gibt es so gut wie keine Einschränkungen, solange das Gerüst ausreichend in der Fassade verankert wird. Die Ausnahme sind Alugerüste, denn für diese gilt eine maximale Belagshöhe von 24 m. Darüber hinaus ist ein Aufbau mit Vertikalrahmen aus Aluminium ebenfalls möglich, bedarf jedoch einen statischen Nachweis für das jeweilige Bauvorhaben.
Grundsätzlich werden Gerüste dazu verwendet, den Nutzer bei sämtlichen Arbeiten bestmöglich zu schützen. Dies gilt selbstverständlich auch für Fassaden- und Fahrgerüste. Hierfür sind beide Gerüstsysteme mit einem dreiteiligen Seitenschutz ausgestattet.
Ein zentraler Bestandteil des Seitenschutzes, sind zwei Rückengeländer, die einen Absturz von Personen vom Gerüst verhindern sollen. Diese sind sowohl als Einzelgeländer als auch alternativ als Doppelgeländer verfügbar. Ergänzt wird der Seitenschutz durch eingebaute Bordbretter. Diese dienen dem Schutz von Personen unterhalb beziehungsweise neben dem Gerüst vor herabfallendem Material oder Werkzeug.
Die Besonderheit des Fahrgerüst ist, dass der Seitenschutz sowohl auf der Innen- als auch auf der Außenseite montiert werden muss. Der Grund dafür liegt in der Möglichkeit des freistehenden Aufbaus. Fahrgerüste können sowohl wandseitig als auch freistehend eingesetzt werden, weshalb auf beiden Seiten ein vollständiger Absturzschutz erforderlich ist.
Bei einem Fassadengerüst kann in den meisten Fällen auf den innenseitigen Absturzschutz verzichtet werden. Voraussetzung dafür ist, dass der Abstand zwischen dem Gerüstbelag und dem Bauwerk maximal 30cm beträgt.
Fassadengerüste werden zur Stabilisierung in den meisten Anwendungsfällen direkt in der Fassade verankert. Alternativ können diese bis zu einer maximalen Belagshöhe von 6,20 m vor geschlossener Fassade und 4,20 m vor offener Fassade auch mithilfe einer teleskopierbaren Schrägstütze abgestützt werden.
Bei den Fahrgerüsten ist die Stabilisierung abhängig von der Ausführung des Fahrgerüstes. Grundsätzlich gilt für alle Fahrgerüste, dass diese nur auf festen, ebenen Böden verwendet werden dürfen. Für freistehende Aufbauten ohne Platzeinschränkung können Fahrgerüste ebenfalls mit einer Gerüststütze ausgestattet werden. Um ein seitliches Kippen zu verhindern wird bei höheren Aufbauten der stirnseitige Abstand zwischen den Rollen durch einen Fahrbalken vergrößert und dadurch die Lastverteilung optimiert. Um diesen Effekt zu verstärken ist es gerade bei großen Aufbauten erforderlich, die unteren Gerüstlagen mit ausreichend Gewicht zu beschweren.
Um eine Entscheidung zu treffen, welchen Gerüsttyp du für deine Arbeit benötigst ist es wichtig zu wissen, mit welchen Lasten die Gerüste maximal belastet werden dürfen.
Fahrgerüste sind aufgrund der Bauweise aus Aluminium sowie der Arbeitsbühnen nur für begrenzte Lasten bei gleichmäßiger Verteilung ausgelegt. Die von uns angebotenen Fahrgerüste sind für die Lastklasse 3 gemäß DIN EN 1004 ausgelegt. Das bedeutet, dass diese für eine maximale Flächenlast bei gleichmäßiger Lastverteilung von 2,0 kN / m2 zugelassen sind. Diese Lastklasse entspricht einer Belastung von ca. 200 kg je Quadratmeter. Hierdurch eignet sich dieses Gerüst auch zur Benutzung durch bis zu 2 Personen und auch zur Ablage von deinem benötigten Baumaterial. Zu beachten ist hierbei nur, dass die Lasten gleichmäßig auf dem Fahrgerüst verteilt sind, da durch punktuelle Lasten die Stabilität des Fahrgerüstes beeinträchtigt wird. Prinzipiell sind punktuelle Lasten ebenfalls möglich. Diese sind jedoch abhängig von der Größe der belasteten Fläche und nur mit einer geringeren Gesamtbelastung zulässig.
Die Tragfähigkeit bei den Fassadengerüsten ist abhängig von den verwendeten Gerüstbauteilen. Nicht nur die verwendeten Gerüstböden spielen eine Rolle, sondern auch die verwendeten Vertikalrahmen. Bei Verwendung von Stahlrahmen in Kombination mit kurzen Stahlböden bis zu einer Länge von 2,07 m ist in eine Belastung bis Lastklasse 6 gemäß DIN EN 1004 realisierbar. Das bedeutet, dass sie in diesem Fall für eine maximale Flächenlast bei gleichmäßiger Lastverteilung von 6,0 kN / m2 zugelassen sind.
Aufgrund Ihrer geringen Größe und den Bauteilen aus Aluminium eignet sich das Fahrgerüst vor allem für Arbeiten mit beschränktem Platz und bei Arbeiten mit häufig wechselndem Einsatzort. Ein typischer Einsatz wäre beispielsweise die Montage von Deckenlampen in Fabrikhallen. Ebenfalls kommt ein Fahrgerüst dann zum Einsatz, wenn Arbeiten nur einen geringen Zeitaufwand erfordern und sich deshalb die Montage eines Fassadengerüstes nicht lohnt.
Fassadengerüste bieten sich hingegen für Arbeiten an, welche eine große Gerüstfläche sowie eine lange Standzeit erfordern. Außerdem werden Fassadengerüste dann eingesetzt, wenn mehrere Personen gleichzeitig auf dem Gerüst arbeiten oder größere Lasten abgestellt werden müssen. Bei diesen Arbeiten bietet das Fassadengerüst durch seine vielen Aufbaumöglichkeiten und die Möglichkeit der Nutzung verschiedener Feldlängen einen entscheidenden Mehrwert. Typische Einsatzbereiche können hier Fassadenrenovierungen oder der Bau einer Klinkerfassade sein.
Gerade in den Themen Einsatzweise, Flexibilität und Tragfähigkeit sind die Unterschiede zwischen den Fahrgerüsten und den Fassadengerüsten stark zu erkennen. Wenn du für deine Arbeiten eine hohe Mobilität, schnellen und freistehenden Aufbau benötigst und deine Projekte kurzfristige und wechselnde Arbeitsschritte beinhalten eignet sich hierfür ein Fahrgerüst.
Dahingegen überzeugen Fassadengerüste durch ihre hohe Stabilität und Traglast vor allem bei langfristigen Arbeiten mit größeren Arbeitsflächen. Zudem bieten Fassadengerüste durch ihren modularen Aufbau in Bezug auf die Arbeitshöhe und Feldlängen eine größere Flexibilität für deine Baustellen. Die Wahl des richtigen Systems hängt daher maßgeblich vom Einsatzbereich, den Platzverhältnissen sowie den Anforderungen an Höhe, Last und Dauer des Projekts ab.