Vom Charme historischer Fassaden

Sehr häufig kommen Gerüste bei der Restaurierung historischer Fassaden zum Einsatz. Und das ist jedes Mal irgendwie besonders. Denn indem Fassaden, als Zeugen ihrer Zeit, erhalten werden, wird die Geschichte der Häuser, Denkmäler oder Kirchen plötzlich wieder zur Gegenwart. Warum die Fassade eines Hauses so bedeutsam ist? Nun, sie ist der erste Eindruck, das Angesicht eines Bauwerks. Die Fassade zu wahren, ist also nicht nur im sprichwörtlichen Sinne wichtig, um einen guten Eindruck zu gewinnen – auch von einem Bauwerk.

Lebendige Zitate von Raum und Zeit

Baustile lassen sich ganz besonders an der Gestaltung einer Fassade erkennen. Gebäude aus der Gründerzeit, also den ersten Jahre nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871,  erkennt man an einer drei- bis sechsgeschossigen Blockrandbebauung sowie an mehr oder weniger reich dekorierten Fassaden. Komplette Stadtviertel in diesem Baustil entstanden damals innerhalb kurzer Zeit auf der „grünen Wiese“. Ein Beispiel für ein solches Bauwerk im Gründerzeitstil befindet sich als Eckbau am Oranienplatz in Stadtteil Berlin-Kreuzberg.

Später, an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, eroberte der Jugendstil auch die sichtbare Bauweise von Gebäuden. Bekannte Bauwerke dieser Epoche sind unter anderem die Hackeschen Höfe in Berlin oder das Prinzregententheater in München. Kennzeichnend für Jugendstilfassaden sind klare oder dekorativ geschwungene Linien sowie florale Ornamente, die großflächig inszeniert wurden. Gerade in der Epoche des Jugendstils zeigen sich bereits aber auch regionale Interpretationen. Impulsgeber für die jeweils regionalen architektonischen Entwicklungen waren zum Beispiel in München, dem Zentrum des Jugendstils, August Endel oder der Architekt, Bildhauer und Maler Gestalter Bernhard Pankok. In Bayreuth, wo sich mit dem Präsidialbau der Regierung von Oberfranken eines der bedeutendsten Jugendstil-Raumensembles befindet, zählten Joseph und Franz Rank sowie Bruno Paul zu bedeutenden Vertretern des Jugendstils.

Zeitgemäße Regionalität

Noch heute finden sich regionale Einzigartigkeiten in den Fassaden von Häusern und Gebäuden. So erkennt man den Alpenraum auf einen Blick an ihrem besonderen Baustil mit viel Holz und Fensterläden. Ebenfalls südlich zu finden sind Häuser in mediterraner Bauweise mit oftmals weißen Fassaden. Selbst Fachwerkhäuser weisen regionale Unterschiede auf. Mit typischen Merkmalen unterscheidet man in Deutschland zwischen  „fränkischen“, „alemannischen“, „niedersächsischen“ oder „württembergischen“ Fachwerkbauten.

Eine Fassade zu bewahren ist also weit mehr als nur einen guten Eindruck zu vermitteln. Es gilt dabei, die historische wie auch die regionale Identität dauerhaft zu erhalten. Die richtigen Gerüste leisten einen wertvollen Beitrag für diese verantwortungsvollen Aufgaben.